Mittwoch, 5. November 2014

Danach

Danach.
Wie das schon klingt.
Etwas, dass ich eigentlich nicht mit meinem Jahr in Tansania verbinde.
Danach.
Vorbei? Nein, ich nehme so viel mit, so viel geht weiter.

A year is a circle... twelve months in a row, filled with so much to see and to know
A year is a garland...four seasons in all, a spring, a summer, a fall
A year is a ring.... of new days and nights, each of them bringing a thousand delights.
A year is a gift of time... all brand new and this year is especially waiting for YOU.
A year is a wonderful thing, I wonder what next year will bring.
(Joan Walsh Anglund)

Was hat sich verändert?
Alles. Nichts.
Ich reagiere auf Teacher wie auf meinen eigenen Namen, ich kann Anspitzen wie ein Weltmeister und kenne unmögliche Kinderlieder. (I am a girl_boy, I must shake my body before I die)

Ich habe immernoch Blasen an den Füßen von all den Orten an denen kein Daladala fuhr oder Narben weil doch noch ein Pikipiki fuhr und ich mich verbrannt/gestoßen/sonstwie verletzt habe.
Ich bin weiser, klüger, schöner geworden. Zumindest versuche ich mir das einzureden denn gerade das Jahr hat mir gezeigt, wie wenig ich weiß, und dass ALLES sehr, sehr subjektiv ist.


Ja, ich erzähle gerne. Nur immer wieder diese Stimme im Kopf: Bitte, bitte denkt daran, das ist meine (!) eigene (!) Wahrnehmung und Bewertung (!), sie ist und bleibt nicht verallgemeinerbar.
Ich kann, auch wenn es mir vielleicht ungewollt immer wieder passiert, Glück bzw. Unglück nicht bewerten, ich kann und will keine Aussagen zu den Themen "Armut", "Anders" und "Exotik" machen. Das ist degradierend für nicht nur eine Stadt, ein Land, nein den ganzen Kontinent.


Ja, ich habe einen Freiwilligendienst in Tansania abgeleistet. Aber es kommt IMMER nur Afrika an. Wieso? Ich versuche immer wieder dahinter zu kommen, wie auch nur irgendwer auf die Idee kommen kann, dass die dort dankbar sein sollen, dass ich vorbeigekommen bin um unqualifiziert & unfähig wie ich bin Zeit mit ihnen zu verbringen.
Dem ist nämlich eindeutig nicht so! (Glaubt nicht mir, aber jemandem der es wissen muss: Mary)

Und so war es ganz bestimmt auch nicht (hoffe ich?)


Das gesamte Bild ist falsch und immer dieses Wort. Immer wieder. Ich habe es so zu hassen gelernt, es ist meiner Meinung nach ein Unwort an sich: Entwicklungshilfe.
Entwicklung zu was? Wer gilt als entwickelt und warum? Wer entscheidet das? Wird Hilfe wirklich benötigt ? Wer entscheidet wieso was als hilfsbedürftig gilt? Und die Hilfe, die gegeben wird, ergibt sie überhaupt einen Sinn vor Ort? Welche Ursache hat eine Hilfsedürftigkeit, wenn sie denn gegeben ist?


Diese Fragen und noch mehr will ich euch aber gar nicht im Detail beantworten, denn das könnt ihr so einfach alleine.
Es ist nicht schwer, sich ein bisschen kritisch mit der Welt in der wir leben und warum sie so ist, wie sie ist, auseinanderzusetzen.
Wer dennoch zu faul zum googlen ist zumindest noch zwei Tipps (es gibt hunderte Millionen mehr!!)

http://tanzania-network.de/front_content.php
http://www.glokal.org/



Kommen wir zu mir, ja, ich weiß, ein bisschen was Kritisches zur Show und dann wieder der Egozentrismus. Pech, dann hört halt auf hier zu lesen jetzt.


Mir fehlt alles, die bunten Farben auf der Straße, die gute Laune, die Garantie pro Tag mindestens 2x die Sonne im blauen Himmel zu sehen, all die Gerüche und Geräusche, die nach und nach zu Hause geworden sind. Wisst ihr noch, nach dem Abi, "raus von zu Haus' " ? Tja, und da stehe ich wieder zu Hause und bin doch nicht zu Hause. Ein Dilemma, da ich mich weder zerteilen noch teleportieren kann.

Ich bereue nichts und doch gibt es natürlich Dinge, die ich nicht wieder tun würde. Aber na und? Dafür weiß ich jetzt: Misstraue jedem, dem Papaya gut schmeckt!
Ich spreche immer noch nicht fließend Kiswahili. Aber ich weiß auch, live is to be lived not controlled.
Ich bedanke mich bei allen, die für mich da waren und mir dieses Jahr, so wie es eben gewesen ist ermöglicht haben.
Ich würde es jederzeit wieder tun. Genau so.

They call it Africa, we call it home.