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Für meine Entsendeorganisation muss ich alle 3 Monate einen Bericht schreiben, die ihr hier nachlesen könnt.
Dazu bekomme ich Leitfragen anhand derer ich dann schreibe, wie es so bei mir läuft. 
Bericht 2 - meine ersten 7 Monate (29.03.2014)
  1. Wie sehe ich mich in meiner Rolle als Freiwillige? Wo stoße ich an (eigene) Grenzen?
  2. Wie sehen mich die anderen vor Ort? (Kollegen, Mitarbeiter, Kinder, Jugendliche, Freunde, Bekannte)
  3. Welche Erwartungen an meinen Freiwilligendienst wurden bisher erfüllt oder gar nicht erfüllt?
  4. Wie oder beim wem kann ich mir Unterstützung holen? Von wem wünsche ich mir mehr Unterstützung, um meinen Arbeitsalltag bzw. Lebensalltag besser zu meistern/organisieren?
  5. Was habe ich für Pläne, Ideen, Projekte für die nächste Zeit?
  6. Sonstiges (z.B. Anmerkung zum Zwischenseminar)
1) Freiwillige zu sein ist immer wieder ein Kampf mit mir selbst. Nicht aufgrund meiner Motivation generell, weil ich meinen Dienst in Frage stelle oder weil es in meiner Arbeitsstelle schlecht läuft, sondern weil man dazu neigt auch unangenehme Aufgaben, die man in einem anderen Arbeitsalltag ebenfalls immer erledigen muss, in Frage zu stellen. Nach dem Motto „Hallo, ich bin ja „nur“ die Freiwillige, ich bin freiwillig hierher gekommen, wenn ich jetzt nicht den wöchentlichen Report machen will, dann können das doch die Festangestellten machen“. Die meiste Zeit schaffe ich es aber zum Glück diese Gedanken nicht zuzulassen und eben auch unangenehme und zusätzliche Aufgaben zu übernehmen. Ich glaube aber dass das ein ganz normaler Prozess ist, niemand hat jeden Tag die Höchstmotivation arbeiten zu gehen. Trotzdem, gerade in letzter Zeit hat sich mein Selbstbild in dieser Hinsicht sehr geändert, ich merke wie ich nicht mehr nur Last bin, die dankbarerweise miteingesetzt wird und irgendwie trotz fehlerhafter Sprachkenntnisse eingesetzt wird, sondern dass ich wirklich aktiv werden kann. Die Grenzen an die ich vorallem stoße ist eigentlich nur die Sprache, es gibt bestimmt noch andere, die aber scheinbar nicht gravierend genug sind, sonst würden sie mir ja einfallen.


2) Ich verstehe zwar den Sinn der Frage, sehe mich jedoch außerstande das zu beantworten ich kann ja nicht in die Köpfe der Menschen hineinsehen. Nach meinem persönlichem Empfinden bin ich gut aufgenommen und habe einen Platz im Kollegium und auch in meinem Freundeskreis, der nicht einfach zu ersetzen ist. In keinem Bereich meines Lebens hier habe ich das Gefühl nicht willkommen zu sein, nicht anerkannt oder akzeptiert zu werden. Natürlich läuft nicht alles immer und jeden Tag rund, aber generell fühle ich mich wohl und habe auch nicht das Gefühl andere einzuschränken oder zu belästigen mit meiner Anwesenheit.
3) Puh. Da muss ich mich ja wieder sehr stark an den Anfang zurücksetzen, was ich so für Erwartungen hatte. Das liegt gefühlt so weit weg von meinem Alltag, dass das gar nicht so leicht ist. Meine Erwartungen bezüglich meiner Arbeitsstelle haben sich eigentlich fast komplett erfüllt und auch die Entwicklungen während des Jahres, sowohl was die Vorschule angeht, dass wir dort zu Beginn vorallem begleitend eingesetzt würden und je besser wir werden immer mehr alleine Aufgaben bzw. Unterrichtsgestaltung übernehmen würden. Auch was die Freizeit mit den Mädels und unsere Freiheiten in der Gestaltung des Nachmittagsprogramms angeht gab es nichts, was ich so nicht erwartet hätte. Der einzige große Unterschied der mir auffällt ist in der Erwartung der Arbeitskollegen an mich. Ich hätte gedacht, sie würden mehr von mir erwarten, aber letzlich haben sie sehr viel mehr Verständnis dafür, wenn ich Aufgaben nicht direkt bewältigen kann oder bestimmte Handlungsweisen nicht verstehe, weil sie mir anders beigebracht wurden. Ich muss sagen, dass ich gar keine Gedanken daran verschwendet habe vor dem Jahr, wie meine Freizeit hier aussehen würde. Nicht, weil ich nicht wollte, aber ich hatte einfach gar keine Vorstellung. Es ging immer um das Projekt und auch in der Kommunikation mit den Vorgängern ging es zu 95% der Zeit um Projektbezogenes. Umso mehr erfreut es mich, dass sich die Befürchtung, ich könnte hier isoliert und ohne Sprachkenntnisse in meinem Zimmer versauern nicht bestätigen. Es ist eigentlich sogar andersherum, ich habe so viel zu tun, dass ich manchmal nichtmal dazu komme auf Mails zu antworten. Was mich außerdem positiv überrascht hat ist die Betreuung vor Ort durch das Amani Girls Home. In der Vorbereitung habe ich ein eher negatives Bild meiner Vorgesetzten hier bekommen, dass sich bisher in keinster Weise bestätigt hat. Wir werden in all unseren Vorhaben, egal ob unsere Wohn- oder Arbeitssituation betreffend immer unterstützt und jegliche Entscheidungen werden uns transparent erklärt.
4) Zu dieser Frage kann ich nur meinen ersten Bericht wiederholen: „ Ich hatte immer gute Ansprechpartner_innen. Für mein Projekt und praktische Dinge im Haushalt gibt es Sono. Er hat ein ziemlich gutes Gespür für unsere kulturellen Unterschiede und wie er reagieren muss, um uns erfolgreich zu unterstützen. Nyamisi, die zwar nur gebrochen Englisch spricht, aber unseren Haushalt schmeißt und uns tansanischen Alltag erklärt und unsere Mama ersetzt. Das Team komplettiert sich dann mit Mama Salalah und Sir, die uns Kultur, Land, Sprache und alles andere erklären und uns zur Seite stehen. Immer. Auch nachts. Ohne diese Menschen wäre ich mehr als nur verloren gewesen und ich bin so dankbar für jede_n einzelne_n von ihnen.“ Vorallem, da ich weiß, ich kann immer zu ihnen kommen, egal welcher Art mein Problem ist. Und dann kommen eben langsam aber sicher immer mehr andere Menschen dazu, Freunde, mit denen ich über alles Private sprechen kann. Mehr Unterstützung wünsche ich mir eigentlich nicht. Ich habe ein ziemliches Luxusproblem: Ich hätte einfach gerne, dass unsere Kolleginnen sich mehr dafür begeistern würden was wir so machen. Es ist nämlich oft so, dass wir eine Idee oder ein Projekt haben, dass vorstellen und anbieten, dass sie sich ebenfalls beteiligen können oder uns helfen, ob es möglich ist, dass unter dem tansanischen Hintergrund zu verwirklichen, aber meistens kriegen wir nur ein absegnendes Nicken und führen es dann durch. Nach einem Besuch in Nils' Projekt haben wir aber gesehen, dass dieses freundlich zustimmende Desinteresse aber nicht sein muss, seine Kollegen finden vieles von dem, was Nils so einbringt zwar komisch, aber sie freuen sich und sind trotzdem sehr interessiert.

5) Mein Plan ist in nächster Zeit das weiterzumachen was wir nach dem Zwischenseminar angefangen haben. Zuerst der neue Stundenplan, an dem wir jedem Tag der Woche ein Thema zugeordnet haben (Lesen&Schreiben, Englisch, Mathematik, Naturwissenchaft sowie Sport&Kreatives) und der eine bessere Vorbereitung und intensiveres Lernen der Kinder erlaubt. Dann der Englischunterricht, den wir mit unseren Mädels angefangen haben.
Bisher hatten wir zwei Stunden in denen wir die Zahlen von 1-20 gelernt haben und wie man sich begrüßt. Das Interesse der Mädels ist sehr unterschiedliche ausgeprägt, ebenso ihr Englischlevel, sodass es wirklich eine Herausforderung ist spielerische Aufgaben zu finden, die alle mit einbinden und durch die wir alle halbwegs auf eine gemeinsame Basis zu bringen. Außerdem sind sie eben präpubertär und einerseits begeistert zu lernen, andererseits haben sie an manchen Tagen die Aufmerksamkeits- und Motivationsspanne eines Goldfisches und so ein Haufen von inzwischen 11 Mädels, der kann kicheriger sein als ein Lachsack und will dann doch lieber wieder mit uns Seilspringen oder dass wir Tamaras Musikboxen mitbringen und alle gemeinsam tanzen. Zusätzlich zu unserem Programm mit den Mädels nehmen wir außerdem dienstags und mittwochs an den Treffen der Frauengruppen des Maisha Mema Projekts von Amani teil. Es richtet sich an Frauen zwischen 14 und 18, die keinen Schulabschluss haben und aus Verhältnissen kommen, die ihnen bisher keine Möglichkeit boten, sich eigenständig zu machen und finanziell unabhängig zu werden. Amani vergibt Mikrokredite an sie und betreut wöchentliche Treffen, bei denen die Frauen über Möglichkeiten zur Verbesserung ihrer Projekte, die so von dem Kredit finanzieren, und Kreditrückzahlung sprechen, aber auch über Alltags- und Gesundheitsprobleme und sich über ihre Erfahrungen austauschen können.
Ich begleite die Sozialarbeiterin Hasna zu ihrer Gruppe, die sich selbst Upendo (Liebe) genannt hat, und bin sehr froh, dass sie mir immer wieder die Diskussionen der 7 Frauen übersetzt. Denn leider ist mein Kiswahili immer noch sehr rudimentär zusammengesetzt aus den einfachsten Basisvokabeln und bei Themen wie Schwangerschaft, Kindererziehung oder auch HIV/AIDS bin ich dann leider doch schnell überfordert.
6) Zum Zwischenseminar an sich gibt es nicht viel zu sagen, ich empfehle eindeutig weiterhin die Betreuung durch fid Aufrecht zu erhalten. :)



Bericht 1 - meine ersten 3 Monate (18.11.2013)

  1. Was hat mich nach meiner Ankunft am meisten (positiv/negativ) überrascht oder erstaunt? Womit hätte ich nicht gerechnet?
  2. Wie habe ich die erste Zeit in meiner Einsatzstelle/an meinem Einsatzort erlebt? Was hat mir beim Einleben geholfen?
  3. Wie sieht mein Arbeitsalltag aus?
  4. Wie organisiere ich mein Alltagsleben (Freizeit, wohnen etc.)
  5. Was läuft gut? Wo erkenne ich bei mir Fortschritte?
  6. Wo bin ich unzufrieden? Was müsste sich verändern? Wo brauche ich Unterstützung bzw. wo bekomme ich Unterstützung für Veränderung?
  7. Was ich noch mitteilen oder loswerden möchte? 

     
    Ankunft in Tansania. Klingt einerseits ganz weit weg, liegt ja immerhin offiziell 3 Monate zurück. Andererseits eben nicht. Richtig angekommen fühle ich mich nämlich nicht. Das hängt zum Glück nicht damit zusammen, dass ich mich nicht willkommen fühle, sondern damit, dass jeden Tag trotzdem noch neue, für mich überraschende Dinge passieren.
    Zu Beginn war natürlich alles neu und aufregend. Trotzdem stechen einige Erlebnisse heraus, mit denen ich so nicht gerechnet hätte. Wir haben im vorhinein natürlich viel darüber geredet, was in diesem Jahr anders wird, haben von Vorgängern Dinge gehört und gelesen. Und trotzdem, die eigene Erfahrung zu machen ist etwas ganz anderes, als vorher darüber zu reden. Ich benutze genau dieselben Wörter wie meine Vorgängerinnen, um bestimmte Alltagssituationen zu beschreiben und trotzdem haben sie plötzlich einen ganz anderen Wert, einen anderen Inhalt. So lächelt man vorher leicht amüsiert darüber, wenn einem von allen Seiten gesagt wird, dass der Kontakt nach Deutschland schwer aufrechtzuerhalten wird und dass einen eine einzige Aufgabe pro Tag so anstrengt, dass man abends völlig k.o. ins Bett fällt. Haha, ja. Seid ihr alle mal hier! Zusätzlich zur klimatischen Belastung kommt nämlich der Faktor Sprache. Es gibt nichts Anstrengenderes als absolut unmündig zu sein und die (für mich) selbstverständlichsten Dinge zu erklären. Sei es im Duka um die Ecke nach Joghurt zu fragen (gibt es übrigens nicht, nur in der Innenstadt) oder unserer Kollegin das Wort Apfel/Apple zu erklären.
    Ich habe außerdem nicht damit gerechnet wie groß allgemein der Unterschied ist von „im-vorhinein-darüber-geredet“ und „ich-bin-jetzt-hier-und-es-passiert-gerade“. So wurde uns auf dem Seminar erklärt, dass es sein kann, dass ich Menschen begegne, denen es vorallem auf das Ergebnis ankommt, aber nicht darum warum und wie man hingekommen ist. Und ich dachte mir natürlich „gut, du bist vorbereitet, weißt Bescheid“. Pustekuchen. Bisher zum Glück einziges „Konflikt“thema beim Amani Girls Home (AGH) bzw. zwischen den Chefs und Tamara und mir ist das Ausfüllen von wöchtenlichen Reporten. Zur Erklärung: Es gibt 4 Spalten. Einmal was die Woche über gemacht wurde, wo es Schwierigkeiten und Probleme gab, wo Entwicklung zu beobachten war und der Plan für die nächste Woche. Aus unseren Perspektive wirkt es so, dass es den Chefs wichtig ist, dass wir Reports abgeben. Dass die Reports aber gar nicht anwendbar auf eine Klasse von 47Kindern sind, von der jedes seinen ganz eigenen Entwicklungsstand hat, dass uns niemand erklärt hat trotz Nachfragen wie genau wir die ausfüllen müssen bzw. dass wir sie überhaupt machen müssen (Teddy ist immerhin die ausgebildete Fachkraft und wir sind nur unterstützend eingesetzt, zumindest wird das an anderer Stelle immer wieder so betont) und noch einige anderen Probleme sind überhaupt nicht auf dem Schirm. Ich wurde gut aufgenommen, ich fühle mich mehr als nur wohl, ich habe keinerlei Konflikte ansonsten mit irgendwelchen Mitarbeiter_innen und ich arbeite gerne im AGH, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass das, was gesagt wird und auf dem Papier steht in krassem Konflikt zur Realität steht. So sind wir einerseits nur als Unterstützung für Teddy da, aber dann wird plötzlich von einem Tag auf den anderen erwartet, dass wir den Unterricht alleine schmeißen und Teddies Aufgaben übernehmen. Aber ohne, dass wir vorher informiert wurden. Der Mix aus geschont werden und ins kalte Wasser geschmissen werden ist zum Glück nicht so hart wie er klingt, da wir gerade mit Sono einen super Ansprechpartner haben, der auf alle unsere Probleme eingeht. Und auch was die Reports angeht haben wir schon Lösungen bzw. das Gespräch gesucht.
    Das hat sowieso sehr meine erste Zeit geprägt: Ich hatte immer gut Ansprechpartner_innen. Für mein Projekt und praktische Dinge im Haushalt gibt es Sono. Er hat ein ziemlich gutes Gespür für unsere kulturellen Unterschiede und wie er reagieren muss, um uns erfolgreich zu unterstützen. Nyamisi, die zwar nur gebrochen Englisch spricht, aber unseren Haushalt schmeißt und uns tansanischen Alltag erklärt und unsere Mama ersetzt. Das Team komplettiert sich dann mit Mama Salalah und Sir, die uns Kultur, Land, Sprache und alles andere erklären und uns zur Seite stehen. Immer. Auch nachts. Ohne diese Menschen wäre ich mehr als nur verloren gewesen die erste Zeit und ich bin so dankbar für jede_n einzelne_n von ihnen.
    Mein Arbeitsalltag beginnt morgens um 7 mit dem Geklapper des Geschirrs unserer Nachbarin, die das Frühstück für ihre Familie bereitet. Nachdem ich ebenfalls gefrühstückt habe, fahren Tamara und ich je nach Wetterlage mit Fahrrad oder eben zu Fuß zu Amani. Vor Ort werden wir mit viel Geschrei begrüßt und zwar sowohl von den Kiddies als von unseren Mädels. Dann beginnt der Unterricht. Je nach Tag Kiswahili oder eben Mathematik. Jedes Kind bekommt sein Heft und vorgeschriebene Aufgaben. Die meisten wissen auch schon wie sie die erledigen müssen und kommen dann nach erledigen zu uns um sich ihre Belohnungsmalerei abzuholen. Weder Tamara noch ich sind überzeugt von unseren Fähigkeiten, aber die Kids sind über jeden Elefanten begeistert und so macht es uns immer mehr Spaß neue Tiere und Dinge zu Malen. Schöne Momente gibt es auch wenn eines der Kinder nach etwa zwei Wochen wiederholtem Einzeltraining endlich das a richtig schreibt. Man soll keine Lieblingskinder haben, aber ich kann einfach nicht anders. Ich liebe alle 47! Und ich hasse sie. Schreckliche Satansbraten sind das, diese kleinen Engel. Mein Kiswahili ist minimalistisch, aber ich merke sehr wohl wenn sie verstehen was ich sage und es bewusst ignorieren oder wenn sie es wirklich nicht verstehen. Da sind nach der Vorschule die Nerven manchmal ganz schön fertig, wenn man die ganze Zeit „Setz dich hin und schreib“ zu den 5 gleichen Kindern sagen muss. Und wenn sie dann noch unschuldig grinsen und man ihnen eigentlich gar nicht böse sein kann...
    Seit zwei Wochen haben wir neben Teddy noch eine weitere Lehrerin, Mgana, mit der wir super klarkommen und mit denen wir ab Januar, wenn die Vorschule wieder beginnt, den Unterricht durch Elemente wie Lieder, Geschichten oder sogar Spieletage ergänzen werden und die neben Teddy Ordnung in das Chaos bringt, das Tamara und ich alleine einfach nicht bändigen können. Das liegt vorallem daran, dass wir uns (natürlich!) weigern die Kinder zu schlagen (was Teddy bisher zum Glück nur einmal getan hat), aber durch die Prägung auch von zu Hause sind die Kinder sofort ruhig, wenn jemand zum Stock greift. Vielleicht können Tamara und ich das ja mit einem entsprechenden Belohnungssystem durchbrechen, genug Sticker hier im Haushalt haben wir jedenfalls. Und sowohl Teddy als auch Sono fanden die Idee soweit gut. Nur dass sie nicht so ganz dem Montessorigedanken entspricht, den Amani langsam aber sicher aufbauen will. Aber solange wir vorher Nachfragen und das offizielle Okay bekommen...
    Nach der Vorschule beschäftigen wir uns mit den Mädels. Wir haben angefangen mit ihnen Englisch zu lernen und spielen ziemlich viel Uno und machen ganz viel Quatsch und versuchen unser Kiswahili an ihnen. Inzwischen betrachten wir das Programm mit den Mädels auch als unsere Hauptverantwortung, denn während in der Vorschule zwei entsprechend ausgebildete Lehrerinnen sind, haben die Mädels zwar viel Sozialarbeiter_innen und -betreuung aber das Nachmittagsprogramm sieht bis auf zwei Stunden in der ganzen Woche mit einer Sister der Dominikaner doch eher spärlich aus. Mal sehen, was ab Januar da noch passiert, wenn Tuma (seit 5 Jahren im Projekt) wieder zur Schule geht und wir herausfinden was wir mit den Spenden, die Mama Salalah in unserem Namen so gesammelt hat, machen sollen. Eine Anschaffung wäre auf jeden Fall eine Schaukel. Das Gerüst steht schon seit Jahren, aber die Schaukel selbst fehlt und wird seit Monaten nicht ersetzt. Wobei das ebenfalls mit dem Brand des Haupthauses zusammenhängt. Wie bereits erwähnt, ab Januar soll das Wrackgebäude entfernt worden sein und ein neuer Klassenraum geschaffen werden.
    Mein Alltag gestalte ich vorallem spontan. Hier passieren ständig neue Dinge, es gibt so viel was ich sehen, tun und machen will, dass eine dauerhafte Planung wie ich das aus Deutschland gewöhnt bin absolut unangebracht und auch absurd erscheint. Ich mache das, was mir gerade am wichtigsten erscheint und selbst wenn ich das eins nach dem anderen abarbeite reichen keine 24Stunden für die ganzen Möglichkeiten und Menschen, die sich hier immer wieder ergeben und auftun. Stressen tut mich das aber zum Glück nicht, da es bisher noch nie ein Problem war Termine auf- und zu verschieben und wenn etwas nicht klappt, funktioniert dafür etwas anderes.
    Ich bin eigentlich nur in zwei Bereichen unzufrieden. In meinen Sprachkenntnissen und dass es hier so früh dunkel wird (und somit schließt alles und das gesamte Leben stoppt in gewisser Weise).
    Beides leider Dinge, bei denen ich mir entweder selbst helfen muss bzw. die nicht veränderbar sind. Es gibt immer wieder Kleinigkeiten im Alltag, die nerven oder unangenehm sind (z.B. dauernd auf unterstem Niveau angeflirtet zu werden) aber im großen und Ganzen bin ich zufrieden.

    Last but not least: The best things in life don't always make sense.