Montag, 21. Oktober 2013

Oh, no, no, I never go to work...

Zumindest letzte Woche. Wir hatten wunderbarerweise frei an zwei Tagen (Julius-Nyerere-Day sowie Īd ul-Adha) und zwei weitere Tage war ich leider krank, aber wenigstens einen Tag war Arbeit.

Bevor es darum gleich weiter geht folgendes Statement zu meiner Malaria:
Wahrscheinlich hatte ich gar keine. Nach (fast) einhelliger Meinung äußert die sich nämlich bei Menschen, die nicht damit aufwachsen, vorallem durch Fieber und Durchfall (heißt ja nicht umsonst Fieberkrankheit) und ich hatte nur Kopfschmerzen. Außerdem gehen die Expertenmeinung sehr darüber auseinander wie gut die Klinik war, in der ich mich habe untersuchen lassen.
Abschlussstatement: Ich habe jetzt die Klinik und den Arzt meines Vertrauens. Macht euch keine Sorgen. Ich brauche einfach länger um mich zu akklimatisieren und durch den ganzen Medikamentencocktail der letzten Wochen hat mein Kreislauf halt mal klargemacht, dass ich mich schonen soll und vorallem raus aus der Sonne.
Noch Fragen?

Damit ihr nicht vergesst, dass ich vorallem das hier mache: arbeiten.
Einfach mal meine gesammelten Eindrücke und Bilder von den letzten Wochen Arbeit.
Im Hintergrund dazu könnt ihr mal folgende Lieder hören, die begleiten uns nämlich STÄNDIG und sind die absoluten Chart-Ohrwürmer:
Lady Jay Dee - Yahaya
P-Square - Personally
Diamond Platnumz - Number One
Unterrichtsvorbereitung.
Dem geübten Auge fällt auf: Statt 47 Hefte liegen dort etwa 20-30. Wo die 17 Kinder ihre Hefte gelassen haben?
Ein Rätsel, dass sich wahrscheinlich erst mit dem Fund des Heiligen Grals klären wird.

Erinnert ihr euch noch, wie wir euch von dem tollen Plan berichteten, dass wir die Kinder aufteilen wollen, um besseren Unterricht zu ermöglichen? Ja, hat super geklappt. Mindestens zwei Tage lang. Oder sogar drei? Und dann war wieder alles beim Alten. Das ist echt ein ziemlicher Frustfaktor hier, man hat irgendwie eine Vorstellung wie man es alles richtig toll machen könnte und dann scheitert es einfach an den den kleinsten Dingen. Hauptsächlich liegt das natürlich daran, dass wir die Sprache nicht sprechen, aber die Motivation von Teddy, das neue System (eigentlich ihr Vorschlag!) aufrecht zu erhalten war auch irgendwie nicht groß genug.
Ist aber auch egal, hey, ich kann echt wunderschöne Blumen und Autos zeichnen. Das kriegen die Kids nämlich als Belohnung ins Heft, wenn sie ihre Aufgaben gut gemacht haben.
Wir würden sogar gerne Sticker verteilen, aber da wir uns nicht in der Lage sehen, allen klarzumachen "Du kriegst einen Sticker am Ende des Tages, wenn du alles gut erledigt hast" haben wir das mal auf unbestimmte Zeit verschoben, bis wir uns der Sprache soweit mächtig fühlen, dass wir nicht nur mit ihnen spielen können.
Regina - ihre as sehen nach 2-tägigem Einzeltraining bei Tamara
sogar aus wie as und nicht mehr wie entartete Kaulquappen.


Ebenezer, ein lieber Kasper, der sich Mal die Ohren waschen muss:
Er hört erst beim dritten Mal auf uns.
Manchmal sind wir echt so zu Tode genervt, das lässt sich nicht in Worte fassen. Meistens gerade dann, wenn die ABSOLUTE ANARCHIE losbricht. "Zufällig" immer, wenn Teddy den Raum verlässt. Es gibt nämlich einen dicken, fetten rosa Elefanten im Raum, dem wir zum Glück bisher ganz gut ausweichen konnten, aber der eben omnipräsent ist:
Schlagen.
Die Kinder sind es von zu Hause aus gewöhnt, zur Strafe und Züchtigung geschlagen zu werden und es ist mehr als schwer für uns bisher auch nur den Ruhe-effekt zu erzielen, den Teddy bewirkt, wenn sie den Holzstock in die Hand nimmt und damit auf den Tisch haut.
CHAOS.
ANARCHIE!
 Aber dann kommt sie direkt wieder, unsere grenzenlose Liebe für die Kinder. Wir glauben nämlich fest daran, dass wir mit einem Belohnungssystem  (Sticker, Süßigkeiten...) dass ganze durchbrechen werden und vorallem -  eigentlich sind die Kids doch kleine Engel auf Erden. Sie wollen doch nur spielen, sie beißen ja auch gar nicht...


Ich muss zugeben: Normalität ist irgendwie auch anders. Aber auch hier kann ich schon einen (Lebens?)Rat geben: Lachen ist die beste Medizin. Ich kann die Male gar nicht zählen, die Tamara und ich unseren Frust über die Sprache und die damit einhergehenden tausend Missverständnisse einfach weggelacht haben.
Den Humor muss man behalten, denn es gibt Fakten, denen wir nicht aus dem Weg gehen können: Tamara und ich sollen nicht nur einen Wochen- und Monatsplan ausarbeiten, sondern ein Tagesheft führen. Dieses Tagesheft bringt uns noch zur Verzweiflung. Schön säuberlich sollen wir dort unseren Unterricht einteilen in 3 Teile (Einführung, Intensivierung, Abschluss), alle Themen noch in 10 Unterthemen gliedern, individuelle Lernziele und -probleme benennen und am Ende erst auswerten und dann noch etwa 2x reflektieren. Tagesheft?? Wochen- bzw. Monatsplan? Für Unterricht der einen kurzen Morgen füllt und für die Kinder vorallem aus abschreiben von Buchstaben oder Zahlen besteht?
Ja, die Sinnlosigkeit ist ziemlich offensichtlich, aber vielleicht ist das nur die arrogante Besserwisserin, die aus mir spricht, vielleicht ist es ja wirklich hilfreich für irgendeine Form von Evaluation wenn die Hälfte der Seite, die den Tag zusammenfasst, aus der Aussage "The pupils learned how to write numbers" besteht.
Trotzdem macht uns die Arbeit auch viel Spaß und die Sicherheit der Kinder steht über allem. So bringen wir sie jeden Tag an der Hand etwa 500m weiter zur Hauptstraße und geleiten sie sicher rüber. Wogegen wir nicht geschützt sind und sie auch nicht: Kinder sind Virenschleudern. Es vergeht kein Tag, an dem mich nicht mindestens eine Rotznase streift oder ich angeniest werde. Hoffen wir einfach, dass mein Immunsystem gerne lernt und sofort Antikörper produziert. Denn auch das Wetter ist ziemlich verrückt: Durch die Regenzeit ist es zwischendurch kühl, nass und windig, sodass gerade morgens ein dicker Pullover ein MUSS ist, aber dann kommt wieder nachmittags die sonnige Hitze. Innerhalb von 2 Stunden von 18°C auf 30°C, unsere Outfits sind dabei nicht selten zweigeteilt in Winter- und Sommerkleidung. Aber alles kein Problem, egal bei welchem Wetter: If you're happy and you know it kann man immer singen!
Show your fiiiingers.
Last but not least:
Zurück nach Hause geht es hoffentlich bald mit dem Fahrrad, aber da meistens schon die Sonne untergeht, wenn wir vom Amani Girls Home loskommen, mussten wir in letzter Zeit doch wieder auf Pikipikis steigen.